Brille weglassen und Augen trainieren?

Brille wegtrainieren – geht das?

Brillen sind lästig und manch einer verzichtet lieber auf sie, in der Hoffnung, die Augen so zu trainieren. Bedenklich ist das nicht, aber auch nicht förderlich. Was hilft tatsächlich, um das Sehen zu verbessern?

Ein Mann mit Brille macht Fitnesstraining mit zwei Hanteln.

Meine Freundin Anja mag ihre Brille nicht. Sie ist eitel und trägt ihre Brille kaum, obwohl sie kurzsichtig ist. So kann sie Busse aus der Ferne nicht von Trams unterscheiden und erkennt Freunde auf der Strasse erst, wenn sie vor ihr stehen. Anja kann damit leben. Sie findet, dass sie ganz gut zurechtkommt ohne Brille, eigentlich sogar besser als mit. “Denn wenn ich die Brille längere Zeit trage, sehe ich danach ohne Brille schlechter, als wenn ich die Brille nur selten trage”, schildert sie mir.

Ich – selbst kurzsichtig – bin skeptisch. Wird das Auge durch das Weglassen der Brille tatsächlich “trainiert”? Oder verkümmert nicht im Gegenteil der Sehsinn, wenn sich das Auge an die schlechte Sicht ohne Brille gewöhnt?

Kein Trainingseffekt

Dr. med. Thomas Müller, Augenarzt der Vista Augenpraxen und Kliniken und Experte für Fragen rund um die Sehschärfe, verneint einen möglichen Trainingseffekt:

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Das Tragen eines optischen Hilfsmittels, Brille oder Kontaktlinse, korrigiert in erster Linie eine vorhandene Fehlsichtigkeit und hat zur Aufgabe, ein möglichst gutes Bild der Umwelt auf die Netzhaut zu projizieren.

Durch das Weglassen der Brille wird das kurzsichtige Auge also nicht trainiert. Wie kommt es dann, dass Kurzsichtige den Eindruck gewinnen, ihre Augen würden durch die Brille faul und dadurch schlechter, wie Anja es beschreibt? Oder andersherum: Warum ist der Wow-Effekt beim Aufsetzen der Brille so gross?

Dies liegt daran, dass sich das Gehirn mit seinen vielen visuellen neuronalen Verschaltungen in hohem Masse an die jeweilige Situation anpasst. Wird über eine gewisse Zeit ein gleichbleibender Reiz angeboten, so lernt der visuelle Cortex, damit umzugehen. Beim Sehen ohne Brille wird also nicht die Sehleistung verbessert, sondern unser Sehanspruch auf das vorhandene, tiefere Niveau angeglichen.

Dr. Thomas Müller, Vista

Dr. med. Thomas Müller

Dr. med. Thomas Müller ist Leitender Augenarzt bei den Vista Augenpraxen und Kliniken und Experte für Fragen rund ums Augenlasern, Linsenimplantate und Hornhaut-Chirurgie.

Augen-Yoga gegen Kurzsichtigkeit?

Aber was hilft dann, das Sehen langfristig zu verbessern? Im Netz wimmelt es von Artikeln und Filmen, die suggerieren, dass Kurzsichtigkeit “wegtrainiert” werden könne, wenn man nur die richtigen Übungen beherzige, etwa: 10 Mal die Augen im Uhrzeigersinn rollen, 10 Mal dagegen, 10 Sekunden Pause und wiederholen. Und auch ein Sonnenbad für die Augen helfe, heisst es dort: Einfach 15 Minuten mit geschlossenen Augenlidern direkt in die Morgensonne setzen. Oft genug angewandt würden solche Übungen die lästige Brille bald überflüssig machen.

Schön wär’s, denke ich, und auch Dr. Thomas Müller findet solche Übungen gegen Kurzsichtigkeit wenig sinnvoll:

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Solche Übungen können die Kurzsichtigkeit nicht mindern aber schaden sicher auch nicht.

Spielplatz statt Smartphone

Anders als bei Erwachsenen sehe es bei Kindern aus, so Müller. In der sensitiven Phase, bis etwa zum 12. Lebensjahr, lerne das visuelle System das Sehen und bilde die Voraussetzungen für einen hochentwickelten, räumlichen Seheindruck.

Daher sei es wichtig, dass Kinder viel draussen spielen, statt drinnen auf Bildschirme zu starren:

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Das hat nicht nur den Vorteil, dass Kinder dort mehr in die Weite fixieren, wodurch der Kurzsichtigkeit vorgebeugt werden kann, sondern auch, dass das Sonnenlicht das Wachstum positiv beeinflusst.

Raus gehen und den Blick in die Weite schweifen lassen: Was Kindern gut tut, ist bei Erwachsenen wie Anja und mir leider vergebens, denn einmal kurzsichtig, führt an der Brille kaum ein Weg vorbei.

Lydia Huckebrink

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