Hornhauterkrankungen

Die Hornhaut ist die vorderste Schicht des Auges – die «Windschutzscheibe». Sie schützt das Auge gegen das Eindringen von Keimen und erbringt circa zwei Drittel der Gesamtbrechkraft des Auges. Insgesamt besteht die Hornhaut aus fünf verschiedenen Schichten. Jede Störung einer Schicht kann zu einer Beeinträchtigung des Sehens führen. Je nachdem welche Schicht betroffen ist, kann es zu Schmerzen, verzogenen Bildern, verschwommenem Sehen oder Lichtempfindlichkeit kommen.

Bei der Behandlung wird grundsätzlich versucht nicht die gesamte Hornhaut, sondern nur die erkrankte Schicht zu therapieren. Neben den operativen Verfahren können verschiedene Laser-Behandlungen eingesetzt werden.

Keratokonus: Ausdünnung und Vorwölbung der Hornhaut

Beim Keratokonus besteht eine angeborene Schwäche des Hornhautstromagewebes. Deshalb kann es durch mechanische Manipulation, wie Reiben im Rahmen einer Pollenallergie, Unfall, Laserbehandlung oder auch spontan dazu kommen, dass die Hornhaut dünner wird und sich nach vorne wölbt. Das führt zu einer unregelmässigen Hornhautverkrümmung, die nicht mit einer Brille korrigiert werden kann.

Schonende Stabilisierung

Eine Methode, um die geschwächte Hornhaut schonend zu stabilisieren, ist das Corneal Crosslinking (CXL). Die Behandlung bewirkt, dass ein Fortschreiten des Keratokonus verhindert wird. Dies geschieht mittels lokal angebrachter UV Strahlen und spezieller Vitamin B-Tropfen. Ein Keratokonus lässt sich durch die Behandlung in praktisch allen Fällen stabilisieren, so dass eine Hornhauttransplantation in den häufigsten Fällen verhindert werden kann.

Sehstärke verbessern

Um eine Verbesserung der Sehstärke zu erreichen, gibt es verschiedene Methoden. Milde Formen können mit einer Brille korrigiert werden. Weiter fortgeschrittene Fälle werden mittels Anpassung von Spezialkontaktlinsen therapiert.

Topoguided PRK = oberflächengeführte photorefraktive Keratektomie

Um die irreguläre Hornhaut zu korrigieren wird ein Excimerlasersystem eingesetzt. Dabei wird die Hornhautoberfläche mit dem Excimerlaserstrahl so verändert, dass Unregelmässigkeiten, die zu einer Sehbeeinträchtigung führen, geglättet werden.
Das Ergebnis: Eine Verbesserung der Oberfläche und der Refraktion, so dass eine bessere Sehkraft mit und ohne Brille erwartet werden kann. Die Technik wird meist mit dem Crosslinking kombiniert.

Bowman Layer Transplantation

Bei dieser Technik wird eine zusätzliche Schicht – der Bowman Layer – in die Patientenhornhaut transplantiert und somit die geschwächte Hornhaut gestärkt. Das führt zu einer Abflachung und hilft in den meisten Fällen, eine Kontaktlinsenunverträglichkeit wieder rückgängig zu machen.

Deep anterior lameller keratoplasty (DALK) = tiefe vordere lamelläre Transplantation

Bei dieser Art der Transplantation wird nur der vorderste Anteil der Hornhaut ersetzt. Der hintere Anteil inklusive dem wichtigen Endothel bleibt erhalten. Das führt zu mehr Stabilität und weniger Abstossungen verglichen mit der perforierenden Keratoplasitik.

Perforierende Keratoplastik (PKP)

Die älteste der Transplantationstechniken kommt aktuell nur noch in wenigen Fällen zum Einsatz. Sie wird eingesetzt, wenn die Krankheit die komplette Dicke der Hornhaut umfasst. Bei der PKP wird die trübe oder deformierte Hornhaut durch gesunde klare Hornhaut ersetzt.

Fuchs-Endotheldystrophie: Beidseitige Erkrankung der hintersten Schicht der Hornhaut

Diese Erkrankung betrifft die hinterste Schicht der Hornhaut. Die dort normalerweise zahlreich vorhandenen Endothelzellen nehmen ab –altersbedingt oder nach Operationen. Dadurch kann die Flüssigkeit, die in die Hornhaut gelangt, nicht mehr abtransportiert werden. Die Hornhaut wird dicker und trübt ein. In Folge sieht man verschwommen, vor allem nach dem Aufstehen oder in den frühen Morgenstunden – was im Laufe des Tages besser werden kann.

Die Therapie in frühen Stadien kann mittels Medikamenten erfolgen, mittelfristig muss mit einer chirurgischen Therapie – der Endotheltransplantation – gerechnet werden:

Descemet membrane endothelial keratoplasty (DMEK) = Endotheltransplatation

Die DMEK ist die modernste Technik der Endotheltransplantation. Bei ihr wird nur noch der hinterste Teil der erkrankten Hornhaut entfernt und durch ein Transplantat derselben Dicke – circa zehn Mikrometer – ersetzt. Diese Technik stellt praktisch vollständig die natürliche Anatomie wieder her und geht meist mit einer exzellenten Sehleistung und schneller Rehabilitation einher. Bei der DMEK wird das Transplantat nur mit Luft oder Gas von hinten angedrückt – auf eine Naht kann verzichtet werden. Diese Technik eignet sich vor allem für unkomplizierte und nicht voroperierte Augen.

Descemet stripping automated endothelial keratoplasty (DSAEK) = Endotheltransplantation

Bei dieser Technik wird der hinterste Teil der Hornhaut – das sogenannte Endothel – und die Descemet Membran entfernt und durch ein circa 100 Mikrometer dickes Transplantat ersetzt. Dieses wird durch eine schmale Öffnung ins Auge eingeführt und mit Luft von hinten an die Hornhaut angedrückt. Das Transplantat saugt sich von selbst fest und es braucht in der Regel keine Nähte. Dadurch, dass nur ein Teil des Auges eröffnet wird, ist die Wunde viel stabiler und die Heilung erfolgt viel schneller als bei einer perforierenden Keratoplastik. Zudem wird die Hornhautoberfläche nur geringfügig verändert, so dass eine schnelle visuelle Rehabilitation gewährleistet ist.

Pterygium: Gefässhaltige Wucherung der Bindehaut

Das Pterygium oder „Flügelfell“ ist eine der häufigsten Hornhauterkrankungen. Dabei stoppt die Bindehaut nicht an der Grenze zur Hornhaut, sondern wächst langsam auf die Hornhaut vor. Dadurch kommt es zu einer Abflachung der Hornhaut und das Sehen verändert sich. In späteren Stadien kann es in die Sehachse wachsen und das Sehen verschlechtern. Der Hauptgrund für diese Veränderung ist ein Schaden durch Sonnenlicht – speziell durch Ultraviolett-Strahlung. Deshalb kommt diese Erkrankung vermehrt in Ländern vor, die nahe am Äquator liegen – dem sogenannten „Pterygiumgürtel“. Die Therapie ist vorwiegend chirurgisch.

Pterygium Exzision und conjuktivaler Autograft (PECA)

Das Flügelfell kann in einem ambulanten Eingriff operativ entfernt werden. Die Pterygiumoperation geht mit einer Rückfallrate von lediglich unter fünf Prozent einher und zeigt exzellente kosmetische Resultate.

Rezidivierende Erosionen/Map-Dot-Fingerprint-Dystrophie

Bei dieser Erkrankung kommt es zum wiederholten Eröffnen der obersten Schicht der Hornhaut – der sogenannten Epithelschicht. Das führt zu plötzlich auftretenden, stichartigen Schmerzen im betroffenen Auge, meist in der Nacht oder am frühen Morgen.

Ursachen sind Bagatellunfälle mit Fingernagel, kleinen Ästchen oder Papierkanten oder Krankheiten wie die Map-Dot-Fingerprint-Dystrophie. Die defekte Schicht heilt in der Regel innert Stunden wieder zu, die Verankerung an der darunterliegenden Schicht ist aber mangelhaft, so dass der Defekt immer wieder auftritt.

Oft genügen Behandlungen mit befeuchtenden Präparaten, wie Tropfen und Salben oder mit einer Verbandskontaktlinse. Sollte das nicht zum Erfolg führen, kann eine Laserbehandlung zum Erfolg führen:

Phototherapeutische Keratektomie (PTK)

Bei der PTK wird eine ganz dünne Schicht der Hornhaut mit dem Excimerlaser abgetragen. Dadurch wird die die Oberfläche aufgeraut und eine bessere Anhaftung erreicht. Die Erfolgsquote liegt nach einem Lasereingriff bei über 95 Prozent.

Herpes Keratitis: Hornhautentzündung durch Herpesviren

Der häufigste Grund für eine Hornhautentzündung sind Herpesviren, die auch die Bläschen an der Lippe verursachen. Dieses Virus tragen 95 Prozent der Bevölkerung mit sich. Es überlebt auch nach Abklingen der Symptome in speziellen Strukturen – den Nervenganglien.

Ist das Immunsystem geschwächt, kann es zum Ausbrechen des Virus entlang der Nerven kommen. Dadurch wird die Hornhaut infiziert, was zu Schmerzen und „Verschwommen sehen“ führt. Die Behandlung der Herpes-Infektion erfolgt meist medikamentös. Bei wiederkehrenden Infektionen können sich Narben bilden. Die Narben verschlechtern das Sehen permanent, so dass eine chirurgische Therapie notwendig werden kann.

Bakterielle Keratitis: Hornhautentzündung durch Bakterien

Normalerweise können Bakterien auf der Oberfläche des Auges nicht ins Augeninnere gelangen, da die intakte Epithelschicht eine undurchdringbare Barriere darstellt. Durch das Tragen von Kontaktlinsen kann die Schutzfunktion beeinträchtig werden. So können Bakterien in die Hornhaut eindringen und sich dort vermehren. Dadurch kommt es zu einer bakteriellen Infektion.

Diese bedarf meist einer Antibiotikatherapie, die speziell auf die vorhandenen Bakterien abgestimmt werden muss. Wichtig ist, dass die Behandlung möglichst früh gestartet wird, da sonst störenden Narben zurückbleiben können, die die Sehstärke permanent vermindern.

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