Wie sich Augen an Dunkelheit und Helligkeit gewöhnen

Passend zum Licht: Der Pupillenreflex

Warum sehen wir erstmal nichts, wenn wir vom Tunnel ins Freie kommen? Warum sehen wir je länger im Dunkeln desto besser? Und warum ist die Notfallbeleuchtung in Filmen rot? Unsere Augen können sich gut an Dunkelheit und Helligkeit gewöhnen – wir erklären, wie das funktioniert.
Eine Person läuft aus einem dunkeln Tunnel heraus, beim Ausgang kann man nur helles Licht erkennen.
Das menschliche Auge braucht nur Sekunden, um sich nach einem Wechsel von Dunkelheit auf Helligkeit anzupassen. Ein zentraler Bestandteil der Adaptionsfähigkeit des Auges ist der Pupillenreflex.​

Beim Pupillenreflex passt sich die Grösse der Pupillenöffnung dem Licht an. Konkret heisst das, dass die Pupille bei Helligkeit kleiner und bei Dunkelheit grösser wird. Dafür sorgen die Muskeln der Regenbogenhaut, beziehungsweise Iris.

Die Anzahl der Sehpigmente macht’s

Die Anpassung an veränderte Lichtverhältnisse findet ebenso über die Sehpigmente, das sogenannte Rhodopsin, statt. Je mehr Licht aufs Auge trifft, desto mehr Sehpigmente spalten sich und bauen sich so ab.

Umgekehrt gilt: Je weniger Lichts ins Auge tritt, desto mehr Sehpigmente können sich wieder regenerieren. So stehen wieder mehr Sehpigmente zur Verfügung und das Auge wird lichtempfindlicher. Mehr Sehpigmente helfen dem Auge, nach und nach mehr im Dunkeln zu erkennen.

Es ist einfach, die Bildung der Sehpigmente am eigenen Leib zu erfahren. Dazu genügt es, in einem fast völlig abgedunkelten Raum einen Gegenstand zu fixieren. Je länger sich die Augen in der Dunkelheit befinden, desto besser sind die Umrisse auf den fokussierten Gegenstand zu erkennen – ohne Zusatzlicht. Der regenerierenden Menge Sehpigmente sei Dank!

Das Gegenteil, also den schlagartigen Verbrauch grosser Mengen Sehpigmente, kennen alle, die schon einmal im Zug oder Auto aus einem langen Tunnel ans grelle Sonnenlicht gekommen sind. Weil sich im Tunnel sehr viele Sehpigmente regeneriert und die Pupillen sich ganz weit geöffnet haben, scheint die Sonne nun ganz unvermittelt aufs weit geöffnete Auge und es zersetzen sich sehr viele Sehpigmente in kurzer Zeit. So entsteht eine punktuelle Blendung – je nachdem auch eine Beeinträchtigung grösserer Teile des Gesichtsfelds.
Um Blendungen vorzubeugen, haben längere Tunnel meistens ein Lichtkonzept, bei dem zum Ausgang des Tunnels hin mehr Lampen eingesetzt werden. Am besten behilft man sich im Auto zusätzlich mit Blendschutz-Klappen oder mit dem Abschatten der Augen. Und im Sommer wird einfach die Lieblingssonnenbrille aufgesetzt.

Notfallbeleuchtung in Filmen

Wer Actionfilme liebt, der weiss: In vielen Filmen sind die Beleuchtungen bei Stromausfällen oder sonstigen Notfällen rot. Warum eigentlich? Sind Notfallbeleuchtungen auch in der Realität rot? Ja, denn Rot bleibt auch beim plötzlichen Aufleuchten in der Dunkelheit neutral und blendet nicht. Somit erzeugt rote Beleuchtung bei der Flucht durch einen Notfalltunnel keinen zusätzlichen Stress.

Auch die Beleuchtung in Sternwarten ist rot. Rotes Licht hat auf den Abbau des Sehpigments keinen Einfluss – das Auge bleibt also lichtempfindlich und so sehen wir besser in der Dunkelheit. Das erleichtert auch den Blick in die faszinierende Unendlichkeit.

Gregor Szyndler

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