Was sehen wir bei geschlossenen Augen?

Was passiert, wenn wir die Augen schliessen?

Im Dunkeln ist gut munkeln. Doch warum sehen wir Farben, Punkte oder andere Muster, sobald wir die Augen schliessen? Wir versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.

Kunterbunter Hintergrund mit Struktur wie Federn

Wer als Kind gerne länger wach bleiben wollte, um noch etwas fernzusehen oder ein Hörspiel zu hören, erhielt in meiner Familie meist ernüchternde Antworten. Entweder man wurde ganz herzlich zum Federnball eingeladen – Dresscode Schlafanzug – oder hat den exquisiten Programm-Tipp bekommen, die Augen von innen anzuschauen.

Anstatt vollkommener Dunkelheit sehen wir bei geschossenen Augen helle Punkte und Muster.

Sobald ich also statt eines Hörspiels am Kissen horchte und die Aufmerksamkeit tatsächlich dem empfohlenen Alternativprogramm, also meinen Augen, schenkte, passierte Überraschendes: Wo ich tiefste Finsternis erwartet hatte, tanzten plötzlich Punkte, Farben und andere Muster über das Augenlid. Als sei ich tatsächlich durch das Schliessen meiner Augen, zum Ehrengast auf besagtem Federnball geworden.

Licht ins Dunkel bringen

Die optischen Wahrnehmungen, die einem für ein paar Sekunden vor Augen geführt werden, wenn man nach Betrachten eines Gegenstandes oder einer Lichtquelle die Augen schliesst, nennt man Nachbilder. Sie werden durch Stäbchen und Zapfen hervorgerufen, den höchst empfindlichen Zellen in der Netzhaut. Dabei sind die Stäbchen für die Wahrnehmung von hell und dunkel zuständig. Doch schliesslich gibt es nicht nur schwarz oder weiss. Und dafür sind die Zapfen verantwortlich. Sie legen uns bei Licht die bunte Vielfalt der Welt zu Füssen.

Kleines Experiment

  1. Schauen Sie eine Minute lang auf das Wort «ROT» in türkisener Schrift vor weissem Hintergrund.
  2. Schauen Sie anschliessend auf eine leere weisse Fläche.
  3. Auf der leeren weissen Fläche erscheint nun das Wort «ROT» tatsächlich für ein paar Sekunden in roter Schrift.

Aller guten Dinge sind drei

Das zumindest gilt für die unterschiedlichen Zapfen: L-Zapfen werden durch langwelliges Licht angesprochen und sorgen dafür, dass wir nicht nur bei Wutanfällen rot sehen. Die M-Zapfen geben dagegen grünes Licht und dank der K(urzwellige)-Zapfen nehmen wir violette und blaue Farben wahr.

Kräftige Farben und Kontraste hinterlassen einen Eindruck auf unserer Netzhaut.

Was bei manch einem jetzt vielleicht die Hoffnung auf eine Briefeule aus Hogwarts weckt, hat leider weder etwas mit Zauberei noch mit der Kraft der Suggestion zu tun. Stattdessen liegt es an dem reizenden Eindruck, den kräftige Farben und Kontraste auf unserer Netzhaut hinterlassen. Während Sie auf die türkisene Schrift starren, werden in Ihrer Netzhaut die M- und K-Zapfen (grün und violett, blau) angeregt. Sobald Sie nun Ihren Blick auf die leere Fläche richten, sind die M- und K-Zapfen erstmal weniger empfindlich – sozusagen etwas träge und erschöpft. Aus diesem Grund reagieren nun die L-Zapfen (rot) in unserer Netzhaut, die zuvor nicht gereizt wurden und lassen so das Wort «ROT» endlich auch in der passenden Farbe erscheinen. Nach demselben Prinzip funktioniert das Ganze mit schwarzen Flächen auf weissem Hintergrund und umgekehrt oder aber mit Mustern und Formen.

Hell beleuchtetes Profil eines Mädchens geht über in dunklen Sternenhimmel.

Bunter Zapfenstreich

Aus diesem Grund wurde ich beim Schliessen der Augen, nachdem meine Eltern das Licht ausgeschaltet hatten, zum Ehrengast des Federnballs mit tanzenden Farben, Punkten und Mustern. Kann es sein, dass meine Eltern die ganze Zeit schon wussten, was nach dem Lichterlöschen passiert? Was, wenn mit der Ankündigung «Jetzt ist aber Zapfenstreich», nicht gemeint war, dass der Soldat sein Quartier oder eben ich mein Bett nicht mehr zu verlassen haben, sondern sie mir viel mehr klarmachen wollten, dass jetzt wieder die Zeit ist, wo mir die Zapfen in meiner Netzhaut einen Streich spielen?

Samantha Happ

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10 Kommentare

  1. Sehr geehrtes Team,

    wenn ich mir mit geschlossenen Augen einen roten Stern vorstelle, kann ich keinen Stern sehen.
    Wie kommt das?

    Viele Grüße
    Andrea

  2. Habe eine Frage zu einem spezifischen Problem im Zusammenhang mit Ihrem aufschlussreichen Artikel. Beim schliessen der Augen im dunklen oder abgedunkelten Raum erscheinen öfter, zumeist für Sekunden, unregelmäßige weisse Flecken die umgehend verschwinden. Auffällig ist es besonders dann, wenn man den Kopf neigt. Am Tag gibt es keine nennenswerte Sehstörungen. Untersuchungen bei zwei Augenärzte haben bislang auch keine Auffälligkeiten gezeigt. Könnte das eine natürliche Ursache der Zäpfchen und Stäbchen sein oder sollte man dem noch weiter auf den Grund gehen?
    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    • Hallo, ich sehe bei offenen und geschlossenen Augen immer rote und grüne Punkte. Bisher konnte ich nicht herausfinden ob das normal ist oder nicht. Vielleicht könnt ihr mir weiter helfen 🙂 Danke im voraus LG Sarah

  3. Hallo,
    Ist ein spannender Beitrag mit den Nachbildern. Diese sind aber kurz und ein pasar Momente noch da. Aber was ist das, wenn man diese farbigen Wolken nach ca. schon 10min erst wahrnimmt bei völliger Dunkelheit. Das gl auch bei Meditationen🤔

    Zu der Kategorie Nachbilder passt es leider nicht🤔

    • Hi Dany,

      ich teile deine Erfahrung von klein auf. Auch einer der Gründe, warum ich es nie langweilig fand, ins Bett gehen zu müssen. 😉
      Stattdessen habe ich mir beim Einschlafen zugeschaut, bis die hypnagogen Bilder auftauchen.

  4. Hallo liebes Team, mein Sohn 5 Jahre äußerte Punkte und Striche zu sehen (nur in Innenräumen nicht draußen- aus weißen Wänden vorrangig). Bei der Augenarztkontrolle wurde jetzt eine Brille Weitsichtigkeit beidseits 0,75 verordnet und Augentropfen weil sie bisschen trocken sind. Sie findet es nicht auffällig. Haben Sie da andere Erfahrungen? Lg

    • Liebe Tees
      Wenn sich die beschriebenen Punkte und Striche auf hellem Hintergrund bewegen, könnte es sich um Glaskörperstrukturen handeln, die unauffällig wären. Falls sich die Punkte und Striche nicht bewegen, empfehlen wir eine erneute augenärztliche Untersuchung. Selbstverständlich können wir aber keine Ferndiagnose stellen und empfehlen, dass Sie sich im Zweifelsfall bei einer Fachperson eine Zweitmeinung einholen.

      Viele Grüsse
      Vista Einblick-Team

  5. Und wie ist die Erklärung für “Lichtreflexe” die nach 1 stunde mit geschlossenen Augen auftreten? In einem völlig dunklen Raum.

    • Guten Tag Roland

      Bei Lichtreflexen bei geschlossenen Augen kann es sich auch um Symptome einer hinteren Glaskörperabhebung handeln. Hier wäre eine sehr zeitnahe augenärztliche Kontrolle wichtig.

      Viele Grüsse
      Dein Vista Einblick Team

    • Wir nennen es auch eine DMT Erfahrung. Unser menschliches Gehirn produziert natürliches DMT diese werden aber wiederum schnell von den anderen Botenstoffen im Körper abgebaut, sodass wir es nicht lange sehen können. Aus der spirituellen Sicht gesehen, ist es eine Erweiterung des Bewusstseins. Ich hatte eine dmt Erfahrung, seit dem sehe ich es ständig, wenn ich meine Augen zuhalte. Und wenn man dazu noch spezielle Musik bzw. Frequenzen hört, man kann es kaum glauben, was sich da bildlich alles verändert. Google mal Marko C. Lorenz, er ist Gehirnforscher und beschäftigt sich ganz intensiv mit diesem Thema.

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