Warum vergrössern Brillengläser die Augen? - Einblick

Warum vergrössern Brillengläser die Augen?

Wenn die Brille zum Flaschenboden wird

Wer fehlsichtig ist, braucht eine Brille. Ganz klar. Doch wenn die Gläser schlecht geschliffen oder falsch eingestellt wurden, dann werden sie zum Problem. Durch die Brille erscheinen die Augen nämlich plötzlich so gross wie solche von einem Uhu oder so klein wie die vom Maulwurf. Aber eine sogenannte Eigenvergrösserung oder -verkleinerung muss nicht sein. Wir klären auf …

Augen eines Mädchens wirken durch die verschieden starken Brillengläser unterschiedlich gross.

Grosse Augen – das Schönheitsideal schlechthin! Aber nicht, wenn die Augen aufgrund von dicken Brillengläsern lediglich gross erscheinen. Das sieht nämlich nicht nur unnatürlich aus, sondern auch noch schräg. Solche Augen kennt man vom kauzigen Professor, der durch seine Flaschenboden-Brille ein Reagenzglas mit grossen Augen anstarrt.

Aber was wie ein komödiantisches Element wirkt, gibt es wirklich: Doch was steckt hinter diesem Phänomen, das Eigenvergrösserung heisst? Einfach erklärt: Je stärker die Fehlsichtigkeit ist, desto dicker sind die Brillengläser. Sie wirken wie eine Lupe, weshalb man auch vom Lupeneffekt spricht. Bei der Weitsichtigkeit werden die Augen ab einer Glasstärke von +2 Dioptrien optisch vergrössert. Ist man kurzsichtig, werden die Augen entsprechend verkleinert – aber erst ab einer Glasstärke von -3 Dioptrien.

Je stärker die Fehlsichtigkeit, desto dicker die Brillengläser und umso grösser der Lupeneffekt.

Richtig unangenehm wird es für jene, die das Pech haben, nur auf einem Auge stark fehlsichtig oder gar auf dem einen Auge weitsichtig und auf dem anderen kurzsichtig zu sein. Wir können uns schon vorstellen, was dann passiert: Das eine Auge scheint lustig gross, das andere seltsam klein.

Nebst dem optisch unvorteilhaften Resultat, kann es dabei zu einem weiteren, ernsthafteren Problem kommen: Durch die verschiedenen Stärken werden zwei unterschiedliche grosse Bilder auf die Netzhaut abgebildet.

Eine Brille mit in den Staub gezeichneten Herzen auf beiden Gläsern wird von junger Frau in die Kamera gehalten.

Der richtige Schliff

Nun stellt sich also die Frage: Muss man, wenn man eine starke Brille braucht, wirklich mit Augen wie aus einem Comic leben? Glücklicherweise lautet die Antwort nein. Die Gläser können heute so bearbeitet werden, dass sie die Eigenvergrösserung weitestgehend beheben. Die Gläser werden grundsätzlich dünner geschliffen, wobei sich Glas besser bearbeiten lässt als Kunststoff. Dafür sind Brillengläser aus Kunststoff um einiges leichter.

Heutzutage können Brillengläser dank speziellen Materialien auch bei starker Fehlsichtigkeit dünn geschliffen werden – die Augen wie aus dem Comic sind also passé.

Manchmal ist die Fehlsichtigkeit aber derart stark ausgeprägt, dass selbst die dünnsten Brillengläser nichts mehr bewirken können. In diesem Fall könnten Kontaktlinsen die bessere Lösung sein, da sie keinerlei Eigenvergrösserung verursachen und unsere Augen somit auch keinen ungewollt lustigen Eindruck hinterlassen.

Hochbrechende Brillengläser

«Normale» Brillengläser sind zwar preisgünstiger, aber sie haben gerade im Bereich der Eigenvergrösserung einige Nachteile. Sie sind nicht nur schwerer zu bearbeiten, sondern haben auch ein höheres Gewicht. Es gibt jedoch hochbrechende Gläser, die sich besser schleifen lassen, wodurch sich der Verkleinerungs- beziehungsweise die Vergrösserungseffekt vermeiden lässt. Solche Brillengläser werden auch als High-Index-Gläser bezeichnet. Sie verfügen über einen sehr hohen Brechungsindex und machen bis zu einem gewissen Grad dicke Brillengläser sogar obsolet, die in der Vergangenheit bei einer starken Fehlsichtigkeit nötig waren.

Um die hohe Brechkraft zu erreichen, ist der molekulare Aufbau des Materials mitentscheidend. Ist eine Substanz besonders dicht, dann ist auch der Brechungsindex besonders hoch. High-Index-Gläser können sowohl aus Mineralglas als auch aus Kunststoffmaterial sein.

Florencia Figueroa

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