Buchtipp: «Der Brillenbaum» von Robert Möderndorfer – mit Illustrationen von Karoline Neubauer

Brillen pflanzen leicht gemacht

Als 5-Jähriger bekommt der Protagonist eine Brille. Anstatt sie auf die Nase zu setzen, pflanzt er mit ihr kurzerhand einen Brillenbaum. Warum auch nicht?

Was soll man als 5-Jähriger mit einer Brille anfangen? Schliesslich ist die Sehhilfe auch bei anderen Brillenträgern an zahlreichen anderen Plätzen als auf der Nase: Viele stecken in Etuis, werden auf den Kopf geschoben, verlegt oder verloren. Vorausschauend pflanzt der Protagonist seine Brille auf einer hübschen Wiese ein, damit er am Brillenbaum später diejenige pflücken kann, die ihm gerade passt. Und damit er nie eine neue kaufen muss, sollte er sie einmal beim Spielen vergessen.

Ein Buch – zwei Besonderheiten

So schnell wie Lesebrillen liegenbleiben können, geht das Bilderbuch nicht vergessen. Zwar ist es mit maximal zwei Sätzen auf einer Doppelseite schnell erzählt, dafür bleibt viel Zeit, die ideenreichen Collagen der Illustratorin zu bestaunen. Mit Papier und Karton setzen sich die bunten Bilder zusammen, die den kleinen Jungen bei seinem Brillenbaum-Projekt begleiten. Die mit dem Romulus-Candea-Preis 2013 prämierten Illustrationen sind aber nicht die einzige Besonderheit dieses Bilderbuches. Der Text des 1978 geborenen Autors Robert Möderndorfer ist im Rahmen der Veranstaltung «special poetics» entstanden, die das Ziel hat, «das kreative und literarische Talent von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung zu entdecken, zu fördern und zu dokumentieren.» Hier kommen also zwei spezielle Leistungen auf 26 Seiten zusammen.

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Der Autor und die Illustratorin

Über den Autor: Robert Möderndorfer, geb. 1978, lebt im Österreichischen Radstadt. Er schrieb den «Brillenbaum» im Rahmen der Veranstaltung «special poetics» für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung.
Über die Illustratorin: Karoline Neubauer, geb. 1976, studierte nach ihrer Grafikausbildung Germanistik und Kunstgeschichte in Salzburg. Sie arbeitet als Grafikerin in einem Buchverlag und illustriert seit 2008 selbst Bilderbücher.

Zum Buch

«Der Brillenbaum»
Autor: Robert Möderndorfer
Illustrationen: Karoline Neubauer
Altersempfehlung: 4 – 6 Jahre
1. Auflage 2014
Tyrolia-Verlag, Innsbruck – Wien

Verspielt ins Schwarze treffen

Der Brillenbaum ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Fast schon zynisch ist es, dass er ausgerechnet von einem kurzsichtigen Bauer umgemäht wird. Den Protagonisten scheint es nicht zu stören. Auf der letzten Seite freut er sich schon wieder breit lachend über die Brille, die ihm unterdessen auf der Nase gewachsen ist. Ein lustiger Schwenker zum Schluss, passend für das 4-6-jährige Zielpublikum. Genauso wie die gesamte Geschichte in ihrer Verspieltheit, die auf bunte Weise bei jungen Kindern direkt ins Schwarze trifft.

Susanna Valentin

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