Blaue Augen: Schön und sehr selten – Vista Einblick

Blaue Augen: Schön und Selten

Der Blick durch engelsblaue Augen

Blaue Augen werden immer seltener – vielleicht gelten sie gerade deshalb immer noch als Schönheitsideal.

Die blauen Augen einer Frau sind fokussiert.

Für die einen haben sie eine magische Anziehungskraft, für andere wirken sie eiskalt. Die zweiten liegen wohl in Unterzahl, denn blaue Augen sind begehrt.

Am meisten blauäugige Menschen leben im Ostseeraum. Spitzenreiter ist Finnland: 90 Prozent seiner Einwohner betrachten dort die Welt durch blauen Augen. Das ist eine grosse Ausnahme, denn weltweit machen Blauäugige weniger als 10 Prozent der Bevölkerung aus – und es werden immer weniger. Vor 100 Jahren war beispielsweise die Hälfte der US-Bevölkerung blauäugig. Heute sind es weniger als 20 Prozent.

Bis zum sechsten Lebensjahr kann sich die Augenfarbe noch ändern.

Babyblau und warum es immer weniger wird

Melanin ist der Pigmentstoff in der Regenbogenhaut, der dafür verantwortlich ist, dass die Iris dunkel beziehungsweise braun erscheint. Das ist auch der Grund, weshalb alle Babys mit blauen Augen zur Welt kommen – ihre Regenbogenhaut hat erst wenig Melanin eingelagert. Bis zum sechsten Lebensjahr kann sich die Augenfarbe noch ändern. Die Augenfarbe eines jedes Menschen ist genetisch festgelegt – das nennt sich Genotyp. Er wird von beiden Eltern vererbt und liegt deshalb immer in zweifacher Form vor.

Die äusserlichen Merkmale, welche sich ausbilden und dann sichtbar sind, nennt man den Phänotyp. Dazu muss man wissen, dass Blau gegenüber Braun rezessiv ist beziehungsweise Braun gegenüber Blau dominant. Das ist auch der Grund, warum blaue Augen viel seltener sind. Nachfolgend ein paar Beispiele, wie dominate und rezessive Merkmale weitervererbt werden können:

Merkmal D = dominant

Merkmal R = rezessiv (zurückhaltend, kann sich nicht durchsetzen)

Mutter/VaterGenotyp KindPhänotyp Kind
1.   R / RR / RR
2.   D / DD / DD
3.   R / DR / DD

Hat eine Person wie bei Variante 3 den dominanten Phänotyp D vererbt bekommen, trägt sie dennoch den rezessiven Genotyp R in sich. Gibt sie ihre Gene später an den eigenen Nachwuchs weiter, kann es vorkommen, dass ihre Kinder dann Merkmal R als Phänotyp haben – selbst wenn beide Eltern den Phänotyp D sichtbar aufweisen. In diesem Fall haben beide Eltern den Genotyp R / D und per Zufall beide dem Kind R mitgegeben.

«Bitte einmal Blau»

Doch der Wunsch nach einer blauen Iris scheint gross zu sein – vor allem in Lateinamerika. Vielen reicht es nicht, mit blauem Augenmake-up die Lider aufzupeppen und so die Farbe ins Spiel zu bringen; sie wollen um jeden Preis blaue Augen, also eine blaue Regenbogenhaut. Um dieses Ziel zu erreichen, unterziehen sich manche Menschen – mehrheitlich Frauen – einer fragwürdigen Prozedur.

Sie lassen sich von einem «Arzt» eine kleine hellblaue Scheibe vor ihre eigentlich braune Iris einsetzen. Dieser Eingriff birgt jedoch ein hohes Komplikationsrisiko – besonders das eines Glaukoms. Aufgrund der engen Platzverhältnisse im Auge kann nämlich durch das zusätzliche Material der Augendruck ansteigen.

Das sagt man über Menschen mit blauen Augen…

Bereits im Mittelalter und der frühen Neuzeit galten blasse Haut und blaue Augen für Frauen als besonders erstrebenswert. Männern mit blauen Augen wurden verschiedene Charaktereigenschaften nachgesagt; darunter Kaltblütigkeit oder eine faszinierende Gefährlichkeit.

Neuere Studien der University of Pittsburgh ergaben, dass blauäugige Frauen die Geburt eines Kindes als weniger schmerzhaft empfanden, als solche mit dunklen Augen.

Das Ergebnis einer Umfrage von CyberPulse, eine Abteilung der Impulse Research Corporation in Los Angeles, mit rund 1000 Frauen ist ebenfalls sehr spannend. Die 1000 Teilnehmerinnen sollten bewerten, wie die gezeigten Personen auf sie wirkten. Blauäugige wurden dabei mehrheitlich als sexy, süss und höflich wahrgenommen, allerdings aber auch als Personen mit eher wenig Intelligenz. 

Inwiefern die Augenfarbe und die Charaktereigenschaften zusammenhängen, lässt sich wohl nie abschliessend beantworten und lässt viel Interpretationsraum.

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Achtung Sonne

Menschen mit blauen Augen sind lichtempfindlicher. Der Pigmentstoff Melanin in der Iris blockiert Licht – er ist quasi ein natürlicher Sonnenschutz der Augen. Da blauäugigen Menschen das Melanin mehrheitlich fehlt, ist ein zusätzlicher Sonnenschutz durch Sonnenbrille oder Hut umso wichtiger.

Menschen mit blauen Augen sind zudem gemäss dieser Studie fröhliche, intelligente und aufgeweckte Menschen. Sie mögen keine Routine, sind unabhängig und aufrichtig. Außerdem helfen sie gerne und zeichnen sich durch innere Stärke und Ausdauer aus. Als Kind sind sie eher schüchtern und vorsichtig, werden später jedoch eher extrovertierte Persönlichkeiten. 

Sind Kinder mit blauen Augen schüchtern?

Andere Studien kommen auf ähnliche Schlussfolgerungen, was das Wesen von blauäugigen Kindern betrifft: Psychologen haben in den letzten zwanzig Jahren in verschiedenen Studien Hinweise publiziert, dass Kinder mit blauen Augen zurückhaltender und schüchterner sind, als gleichaltrige Kinder mit einer dunkleren Augenfarbe.​.

Aus einer Studie der University of Maryland kam ebenfalls heraus, dass Jungen mit blauen Augen im Vorschulalter weitaus verschlossener im Umgang mit anderen Kindern sind. Die Beobachtungen und Verhaltensbeurteilungen der Studie erfolgten dabei durch Lehrpersonen. Was bei dieser Studie besonders interessant ist – bei Mädchen konnte ein solcher Unterschied nicht festgestellt werden. Inwiefern die Augenfarbe und die Charaktereigenschaften zusammenhängen, lässt sich wohl nie abschliessend beantworten und lässt viel Interpretationsraum.

Ob blaue Augen nun für ein leichtgläubiges, naives, schüchternes Wesen stehen oder für eine hohe Belastbarkeit und Stärke – die Welt sieht durch sie gleich aus, wie durch braune oder grüne Augen. Nichts desto trotz ist es doch sehr schön, in sie hineinzublicken.

Corine Glatt

Haben Sie blaue Augen?

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